Zwischenzeit

veröffentlicht 20.06.2026 von Michael Koch, Pfarrer in Homberg (Ohm), Ev. Dekanat Vogelsberg

Im Auto, auf dem Weg zum nächsten Termin oder bei einer Tasse Kaffee nach Feierabend: Unser Alltag ist voller Zwischenzeiten. Pfarrer Michael Koch lädt dazu ein, diese unscheinbaren Momente neu wahrzunehmen. Als Zeiten zum Durchatmen, Nachdenken und Beten.

Ich fahre eigentlich sehr gerne Auto. Autofahren ist für mich eine Zwischenzeit. Nach dem Einkaufen zum Beispiel steige ich ein und fahre los. Das Einkaufen hab ich dann glücklicherweise hinter mir, aber zu Hause angekommen und fertig ausgepackt und eingeräumt habe ich noch nicht. Zwischenzeit.
 
Solche Zeiten sind mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Es sind Zeiten, in denen ich mir den Tag nochmal durch den Kopf gehen lasse, mich schon auf mein Abendprogramm freuen kann, laut bei schönen Liedern mitsingen kann. Tatsächlich bete ich wohl am häufigsten im Auto. Zwischenzeit. 

Mehr als nur Leerlauf

Unser Leben besteht aus vielen solchen Momenten. Wir warten auf einen Termin, sitzen im Zug, gehen eine Strecke zu Fuß oder trinken nach Feierabend noch einen Kaffee. Nichts Großes passiert. Und doch sind es oft genau diese Augenblicke, in denen wir durchatmen können. Augenblicke, in denen wir das Vergangene bedenken und uns auf das freuen, was vor uns liegt.

Auch der Glaube kennt solche Zwischenzeiten. Nicht jeder Tag bringt große Entscheidungen oder besondere Erfahrungen mit sich. Vieles geschieht dazwischen: das stille Vertrauen, ein kurzes Gebet, ein Lied, das uns begleitet, ein Gedanke, der uns nicht loslässt. Oft merken wir erst später, wie wertvoll diese unscheinbaren Momente waren.

Ich wünsche Ihnen für die kommende Zeit viele solcher Zwischenzeiten. Momente, die einfach so geschehen und trotzdem viel mit sich bringen. Momente zum Nachspüren, Freuen, Singen und Beten. Momente, in denen Gott uns näher ist, als wir vielleicht ahnen.