Zwei Jahre lang wirkte Pfarrerin Dr. Julia Marburger im Hohen Vogelsberg. Nun wurde sie am Pfingstmontag in einem feierlichen Gottesdienst von ihren Gemeinden und dem Evangelischen Dekanat verabschiedet – ein emotionaler Anlass, der deutlich machte, welche Spuren die Theologin hinterlassen wird und wie sehr sie die Menschen in der Region bewegt hat.
Mit festlicher Musik zogen die Kirchenvorstände, Dekanin Dr. Dorette Seibert und Pfarrerin Dr. Julia Marburger in die vollbesetzte Grebenhainer Kirche. Der Posaunenchor Crainfeld unter der Leitung von Heike Fechner sowie der Organist Günther Plefka gestalteten den Gottesdienst musikalisch und begleiteten den Gesang der Gemeinde. Unter den Gästen waren auch Martin Reibeiling, Präses des Evangelischen Dekanats, und Simon Seibert, Bürgermeister der Gemeinde Grebenhain.
Zu Pfingsten sei vieles in Bewegung, sagte die Kirchenvorstandsvorsitzende Christiane Schindler zur Begrüßung: Gottes Geist bewege die Menschen, verbinde sie und schenke gleichzeitig Kraft für den Aufbruch: der richtige Feiertag also, um von einer so engagierten und beliebten Pfarrerin Abschied zu nehmen, auch wenn es schwerfalle. Die Gemeinde tue dies voller Dankbarkeit für Gewesenes, aber auch voller Vertrauen in die Zukunft, so Schindler.
Die Liturgie gestalteten gemeinsam mit der Pfarrerin Pfarrer Daniel Meyer, Pfarrerin Heidi Kuhfus-Pithan und die Gemeindepädagogin Ruth Martin-Weigang, Mitglieder des Verkündigungsteams im Hohen Vogelsberg.
Ihre Abschiedspredigt widmete Julia Marburger dem Geist von Pfingsten: Gott habe seinen Jüngerinnen und Jüngern vergeben, dass sie ihn am Kreuz verraten und im Stich gelassen hatten. Er sei dennoch auf sie zugegangen und habe damit „Leitplanken gesetzt für alles, was folgt.“ Dem Leid der Welt, dem Zustand im Äußeren und im Inneren, oftmals geprägt durch Verzagen, durch Schuld und Verzweiflung, habe Jesus seinen Frieden entgegengehalten: „Friede sei mit euch.“ Dies gelte auch für die Gegenwart, betonte die Pfarrerin. Menschen könnten sich gegenseitig stärken, gemeinsam unterwegs sein und ihre Gegenwart mitgestalten. Immer wieder könne man neu mit dem Frieden starten: „Die Vergangenheit prägt, aber sie entscheidet nicht über Gegenwart und Zukunft.“
Nach dem Abendmahl, das sich Julia Marburger ausdrücklich für ihren letzten Gottesdienst gewünscht hatte, ergriff Dekanin Dr. Dorette das Wort: „Wir hätten Sie gerne behalten“, sprach sie der Gemeinde aus der Seele. „Sie haben Menschen und die Region verbunden und mit Vertrauen, Verlässlichkeit und Offenheit nachhaltige Spuren hinterlassen.“ Durch ihr Engagement sei der neugegründete Nachbarschaftsraum zusammengewachsen. Die Umstrukturierung innerhalb des Zukunftsprozesses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hätten alle vor große Herausforderungen gestellt und die zwei Jahre im Vogelsberg dominiert, doch Julia Marburger sei es gelungen, nicht nur zu organisieren, sondern auch zu gestalten, Begegnungen zu schaffen, Zeit zu finden, gemeinsame Ideen zu entwickeln. Die Abschiedsworte zur Entpflichtung der Pfarrerin im Dekanat waren geprägt von Dankbarkeit für Marburgers „große Klarheit, Zugewandtheit, theologische Bereicherung und den Mut, Veränderungen zu probieren.“ Seibert schloss ihre Rede zuversichtlich: „Was Sie eingebracht haben, wächst weiter.“ An die Gemeinde gerichtet, gab die Dekanin bekannt, dass die Stelle nun zwar ausgeschrieben werde, derzeit aber noch vakant sei. Sie bot an, bei Fragen und Wünschen im Dekanat vorstellig zu werden, und zeigte sich zuversichtlich: „Wir gehen gemeinsam weiter, nicht ohne Sorgen, aber auch nicht ohne Hoffnung.“
Emotionale Abschieds- und Dankesworte hatten auch die Mitglieder des Grebenhainer Kirchenvorstands für ihre scheidenden Pfarrerin: In der kurzen Zeit sei so viel passiert – gemeinsam habe man gestaltet und gearbeitet, gebetet und gepilgert. Julia Marburger hinterlasse Spuren und Projekte, die weitergingen; ihr Wirken sei geprägt gewesen von Energie, Klarheit und Humor. Mit ähnlich begeisterten und dankbaren Worten verabschiedete sich auch Heidi Kuhfus-Pitan im Namen des Verkündigungsteams. Für die Kommune sprach zum Abschluss Bürgermeister Simon Seng.
Der Wehmut entgegen strahlte auf dem Tanzplatz vor der Kirche die Maisonne – ein Perspektivwechsel, wir die Pfarrerin es mag. Dort gab es bei Kaffee und Kuchen noch viel Gelegenheit zum Austausch. Die Pfarrerin wird hier in guter Erinnerung bleiben – und Grebenhain und der Vogelsberg werden auch bei ihr gute Spuren hinterlassen haben.