Unser Alltag kennt kaum noch Pausen. Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt, vieles wird schneller. Gesellschaftliche Veränderungen verunsichern uns. Und auch persönlich kennen wir Zeiten, in denen wir spüren: Etwas verändert sich, ob wir es wollen oder nicht.
Der Herbst zwingt nichts. Er hält nicht fest. Die Bäume lassen ihre Blätter fallen. Und doch wissen wir: Der Baum verliert nicht sein Leben. Er geht durch eine Zeit des Rückzugs. Während außen kaum etwas geschieht, wird im Verborgenen bereits Neues vorbereitet. In der Erde ruht die Hoffnung auf den kommenden Frühling.
Vielleicht liegt darin eine Botschaft für uns: Nicht jede Zeit unseres Lebens muss eine Zeit des Blühens und Wachsens sein. Es gibt Zeiten des Loslassens, des Wartens und des Abschieds. Zeiten, in denen wir nicht wissen, wie es weitergeht.
Rainer Maria Rilke hat dieses Bild in seinem Gedicht „Herbsttag“ – wie ich finde – gut beschrieben: „…doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“
Was für ein tröstlicher Gedanke: Unser Fallen geschieht nicht ins Leere. Da sind Hände, die halten.
Auch Jesus spricht von diesem Vertrauen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an ... Euer himmlischer Vater ernährt sie.“ (Matthäus 6,26) Veränderungen bleiben uns nicht erspart. Aber wir müssen sie nicht allein tragen.
Vielleicht ist Erntedank deshalb mehr als ein Fest für volle Körbe. Es lädt uns ein, wahrzunehmen, was uns geschenkt ist: Menschen, die zu uns gehören, einen Ort zum Leben, das tägliche Brot und kleine Momente, die uns guttun.
Die Blätter fallen. Wir lassen los, was gehen muss. Und vielleicht dürfen wir darauf vertrauen: Gott hält uns – heute, morgen und auch durch die Zeiten hindurch, in denen im Verborgenen schon etwas Neues wächst.