„Vom Graben, Schützen und Staunen“ - Verantwortung für unsere Schöpfung

veröffentlicht 04.07.2026 von Daniel Meyer, Pfarrer in Herbstein und Lanzenhain, Ev. Dekanat Vogelsberg

Überall geht es gerade geschäftig zu. Viele Projekte im Heim oder Garten nehmen uns in diesen sommerlichen Tagen in Beschlag. Auch im Garten des Pfarrhauses Herbstein ging es unlängst geschäftig zu.

Wer letztens nämlich einen Blick in meinen Garten geworfen hat, sah mich oft tief im Erdboden versunken: beim Ausheben von Gruben, Schleppen von schweren Waschbetonplatten und dem mühsamen Entfernen von Rindenmulch. Alles für Kosta – die griechische Landschildkröte, die mir am Pfingstsonntag über den Weg gelaufen bzw. vor das Auto gesprungen ist und die ich „adoptiert“ habe. Und dieses kleine Wesen brauchte halt ein artgerechtes Außengehege, das in den letzten Tagen entstanden ist und an dessen Realisierung auch andere fleißige Hände als die meinen mitgearbeitet haben. 

Auf den ersten Blick mag das nach einem normalen, etwas eskalierten Heimwerkerprojekt klingen. Auf den zweiten Blick steckt in jedem Spatenstich, was mir erst im Verlauf deutlich wurde, ein Gedanke, der uns alle angeht: Verantwortung gegenüber der Schöpfung.

In der Genesis wird uns Menschen der Auftrag gegeben, die Erde zu „bebauen und zu bewahren“. Allzu oft wurde das als Freifahrtschein zur Ausbeutung missverstanden. Doch wer Verantwortung für unsere Welt oder eben für andere Lebewesen übernimmt, begreift schnell die wahre Tiefe dieses Auftrags.

Bewahren bedeutet Fürsorge im Kleinsten. Es bedeutet, Kostas Gehege von unten mit Platten abzusichern, damit er geschützt ist und nicht entweicht; giftigen Efeu zu entfernen und die schädlichen Kirschkerne, die ins Gehege fallen könnten, sorgsam abzusammeln. Es bedeutet, mit feiner Erdmischung und einer eigens gebauten Backsteinbrücke Lebensräume zu strukturieren, in denen sich Kreatur und Natur entfalten können. Bewahren bedeutet Einsatz. Und dieser Einsatz lohnt sich – bei meinem Projekt für Kosta und sicherlich auch ihren Projekten. 

Wenn ich nun Kosta in der Mittagssonne beobachte, wie er instinktiv den Schatten einer Ecke aufsucht, oder wie er voller Begeisterung an einem Löwenzahn oder der für ihn gepflanzten Fetthenne knabbert, erfüllt mich das mit Staunen. Inmitten unseres oft so künstlichen, beschleunigten Alltags holt mich dieses kleine Wesen auf den Boden der Schöpfung. Es zeigt mir, dass jedes Detail der Natur einen Sinn hat und dass das Bewahren kein theoretisches Konstrukt ist. Es beginnt im eigenen Garten, mit Achtsamkeit, Schweiß und Respekt vor dem Leben. Verantwortung gegenüber der Schöpfung heißt, der Welt ein Stück ihrer ursprünglichen Harmonie zurückzugeben – Stein für Stein, Pflanze für Pflanze. Diese Erkenntnis wünsche ich Ihnen bei ihren eigenen sommerlichen Baumarktprojekten am eigenen Heim, Hof und Garten.