Um des lieben Friedens willen

veröffentlicht 11.09.2026 von Pfarrer Frank Hammel, Ev. Dekanat Vogelsberg

Über das Wahlergebnis sprechen oder lieber schweigen, damit es keinen Streit gibt? Pfarrer Frank Hammel findet: Gerade wenn politische Entwicklungen Angst machen oder aufwühlen, braucht es den Mut zum Gespräch.

Sage ich was, oder sage ich besser nichts? Ich meine zum Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt letzten Sonntag. Wie halten sie´s? Reden sie mit andern drüber? Oder lassen sie´s sein, einfach um „des lieben Friedens willen“? Ich habe mich entschieden, etwas dazu zu sagen. Und zwar aus drei Gründen: Erstens hat mich der Satz von Ministerpräsident Schulze erschreckt, mit dem er den Ausgang der Wahl erklärte: „Das ist eben Demokratie.“ Das ist platt und verharmlost die Situation.  Und zweitens bemerke ich, dass das Wahlergebnis Menschen enthemmt. Einige meinen offenbar, weil 43% der WählerInnen der AfD ihre Stimme gegeben haben, dass man nun Dinge aussprechen darf, die aus guten Gründen als rassistisch, sexistisch und menschenverachtend gelten. Drittens bin ich als Christ in der Nachfolge Jesu überzeugt, dass miteinander Reden zum Frieden führt. Jesus hat Begegnungen mit Menschen, die ganz anders handelten und dachten als er, gesucht. Diese Gespräche haben oft Frieden und Zuversicht bewirkt. 

Haltung zeigen, Gespräch suchen

Als Christen sollten wir unseren Standpunkt deutlich machen und das Gespräch suchen. Im Konfliktfall könnten diese Fragen weiterhelfen: Was macht dich so wütend? Was macht dir Angst? Warum sagst du solche Sachen? Ich muss die Antworten dann bitte auch aushalten, denn ansonsten kann ich nicht treffend antworten. Unsere Antwort sollte am besten sachlich vorgebracht werden. Und wir sollten uns gut informieren, um unsere Haltung auch zu begründen. Es ist an der Zeit, dass jeder sich wieder mehr für Politik, Wirtschaft und Umwelt interessiert. Das alles kostet Mühe, Nerven und Zeit. Aber auf diesem Mühen liegt die Verheißung von Frieden. Mir ist klar, dass Angst zum Menschen gehört und dass das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, einen auf die Palme bringen kann. Ich weiß aber auch ganz genau, dass Rassismus, Sexismus und Menschenverachtung niemanden zu einem guten Ziel führen. Einander ignorieren mit unseren Ängsten, unseren Fragen dürfen wir aber auch nicht. Das macht die Welt ebenfalls kalt und gefühllos.  Deshalb: Trauen sie sich auch, etwas zum Wahlausgang zu sagen.