Man kann die Wahrheit nicht verstecken

veröffentlicht 19.08.2026 von T. Schlitt, Ev. Dekanat Vogelsberg

Schlitzer Theaternächte präsentieren Alexandre Dumas‘ „Der Mann mit der eisernen Maske“ – Aufführungen in der Evangelischen Stadtkirche vom 17. bis 20.9.

Die Musketiere stehen vor den Toren der Burgenstadt: Sie machen sich bereit, die Evangelische Stadtkirche in Schlitz zu erobern und mit ihr natürlich das geneigte Theaterpublikum der Region. „Der Mann mit der eisernen Maske“ heißt das Theaterstück, das die Theatergruppe „Schlitzer Theaternächte“ der Evangelischen Christusgemeinde Schlitzerland in dieser Saison aufführt. Die Theaterbearbeitung des Romanklassikers von Alexandre Dumas stammt von Genia Gütter.

„Wir wollten mal etwas mit richtig tollen Kostümen und Requisiten spielen und die personelle Bandbreite für die Akteure erweitern“, sagt Regisseur André Niemann. Doch bei der Auswahl der Stücke spielt wie immer auch die Relevanz eine große Rolle: Die drei Musketiere Athos, Aramis und Porthos sind alt geworden. Aber es wartet noch ein letztes Abenteuer auf sie. Ludwig XIV. ist inzwischen an der Macht und führt ein sinnloses, ausschweifendes Leben auf Kosten seiner Untertanen. D'Artagnan ist sein Hauptmann. Gleichzeitig liegt ein geheimnisvoller Mann mit einer eisernen Maske in der Bastille gefangen: der Zwillingsbruder des Königs, von dem sich die Menschen eine gerechte Regierung erhoffen. Können die vier sich noch einmal zusammenfinden, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen? Welche Opfer werden sie bringen, um die Wahrheit ans Licht zu befördern?

In Schlitz bereiten sich derzeit siebzehn Schauspielerinnen und Schauspieler auf ihren Auftritt vor; die Kostüme sind eingetroffen oder aus dem Fundus geholt, werden geändert und angepasst, Degen und andere Requisiten liegen in den Proben bereit. Für André Niemann und Reiner Riek, dieses Mal Darsteller des Aramis, entfaltet das Stück eine tiefgehende Wirkung: Hinter der vordergründigen Handlung, die viel Action verspricht, verbirgt sich eine Meta-Ebene aus großen Fragen der Menschheit, hier essentiell die Suche nach der Wahrheit: Kann man sie dauerhaft verstecken oder kommt sie zwangsläufig ans Licht, weil es die Menschen danach dürstet, weil sie sich nicht belügen lassen wollen? „Man kann die Wahrheit nicht wegsperren“, sagt Niemann und schafft in Zeiten von Fake News und „Alternativen Fakten“ einen direkten Bezug zur Realität. 

Für die Schauspieltruppe – Menschen im Alter von sechzehn bis neunundsechzig Jahren, Anfänger und Bühnenerprobte – bietet dieses Stück ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld mit vielen interessanten Charakteren: Sei es Aramis, der sich durch Gewissensbisse zur Entscheidung und zum Handeln ringt, oder Madame Fouquet, die ihre Ränke schmiedet und ihre Pfründe sichern will. Auftragsmorde, Lügen, Todesfälle und Liebe: „Der Mann mit der eisernen Maske“ verspricht ein Mantel- und Degenstück par excellence. Die Kirche als Bühne bietet die perfekte Kulisse: Steinmauern, die ohne viel Zutun Wirkung entfalten, sei es als Kerker oder als Burg.

Dass dazu eine ganze Reihe an Vorbereitungen und viel Unterstützung gehören, versteht sich von selbst: Die Akteure sind bereits das ganze Jahr am Proben. „Wir beschäftigen uns intensiv mit den Charakteren“; berichtet der Regisseur: „Fragen an die Rolle“ sind zu beantworten, um die dargestellte Person richtig zu interpretieren. „Das ist viel mehr als Text lernen“, unterstreicht Reiner Riek. Selbstredend sind alle Schauspielerinnen und Schauspieler mit Feuereifer dabei: „Es macht einfach Freude – und die Rückmeldungen aus dem Publikum sind uns stets ein großer Ansporn.“

„Wir können den Gästen wirklich großartige Augenblicke versprechen“, sagt Andre Niemann, „unter anderen wird es einen Maskenball mit Livemusik geben.“ Großes Kino also auf der Schlitzer Theaterbühne. Dort heißt es ab dem 17. September viermal „Einer für alle, alle für einen.“

Eintrittskarten dafür gibt es für 15 (ermäßigt 8) Euro bei Optik Franke und eventfrog.de.