Historisches, Geistliches und Hochprozentiges

veröffentlicht 22.10.2026, Ev. Dekanat Vogelsberg

Prädikanten und Lektoren des Evangelischen Dekanats Vogelsberg auf Tour in Schlitz

Mehr als sechzig Menschen sind im Evangelischen Dekanat Vogelsberg in der ehrenamtlichen Verkündigung engagiert: Prädikanten und Lektoren gestalten Woche für Woche zahlreiche Gottesdienste in den Kirchengemeinden im Dekanat und stellen somit einen unverzichtbaren Faktor im kirchlichen Leben dar – zumal in Zeiten großer Vakanzen.

Einmal jährlich dankt das Dekanat all diesen Engagierten – in diesem Jahr luden Dekanin Dr. Dorette Seibert und Präses Martin Reibeling, selbst als Prädikant aktiv, die Ehrenamtlichen in die Burgenstadt Schlitz ein. Beide dankten den Prädikanten und Lektoren aus dem ganzen Vogelsberg für ihren Dienst, den sie mit großer Begeisterung und Herzblut verrichten. Stadtwächter Hagen Köckeritz, ebenfalls langjähriger Prädikant im Schlitzerland und darüber hinaus, führte die etwa zwanzigköpfige Gruppe nicht nur mit Witz, Geschichte und Geschichten sowie dem einen oder anderen Schnaps durch seine Heimatstadt, er hatte auch viel kirchliches Wissen parat. 

Ausgangspunkt der Führung war der Hahnekiez; von dort ging es leicht bergauf zur Hinterburg und weiter bis zur großen Evangelischen Stadtkirche, deren Vorgängerbau bereits 812 geweiht wurde. Als Stadt- und Nachtwächter hatte Köckeritz stets einen Spruch zur Uhrzeit und zum Gotteslob auf den Lippen und das passende Hochprozentige parat, schließlich glänzt die Burgenstadt auch mit ihrer Destillerie, die eine der ältesten in Europa ist.

In der Kirche selbst ging der Prädikant auch auf die Verkündigung im Schlitzerland und die ehrenamtliche Arbeit im gleichnamigen Nachbarschaftsraum ein: Schon früh habe man hier mit der ehrenamtlichen Verkündigung ein gutes Fundament errichtet und den evangelischen Christen somit viele Gottesdienstangebote gemacht, die gut genutzt werden – immer mehr auch über die Ortsgrenzen hinaus. Seit Anfang dieses Jahres sind alle Kirchengemeinden in dem Nachbarschaftsraum zu einer Gesamtkirchengemeinde fusioniert. Im Jubiläumsjahr der Reformation in Oberhessen blickte Köckeritz auch auf die Reformation im Schlitzerland - ein Gedenkstein an der Kirche erinnert daran: Nachdem 1546 Werner von Schlitz zur lutherischen Konfession übergetreten war, dauerte es – der Nähe zur Fürstabtei Fulda geschuldet – noch etwa zehn Jahre, bis die Reformation sich dort ausbreitete. Die Kirche wurde evangelisch, ebenso wie die weltlichen Herrscher, die Grafen von Schlitz genannt Görtz, und deren Untertanen.

Vom Kirchplatz sah man auf das benachbarte Rathaus, bevor es weiterging zur Vorderburg und zur Ottoburg. Überall hatte der Stadtwächter witzige und deftige Anekdoten bereit, mit denen er die Gruppe gut unterhielt. An der Schachenburg konnten die Gäste selbst ausprobieren, was ein Beicht- und Flüsterbogen ist, und natürlich konnten sie auf dem Rückweg zum Hahnekiez auch noch die vermeintlich größte Kerze der Welt bewundern, in die sich bald wieder der Hinterturm verwandelt. Am Ende der zweistündigen Tour gab es noch Gelegenheit, vom Kirchturm aus den Blick über das Schlitzerland schweifen zu lassen.

Mit vielen Infos und reichlich Schnaps (oder alkoholfreiem Ersatz) versorgt, fand sich die Gruppe zum kulinarischen Abschluss um Schlitzer Brauhaus ein. Am Nachmittag blickten alle auf einen schönen, unterhaltsamen und sehr anregenden Tag zurück.