Wie fühlt es sich an, wenn jemand einem einfach etwas wegnimmt, ohne zu fragen? Oder wenn sich jemand nach einem Streit ehrlich entschuldigt? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich vierunddreißig Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren bei der Kinderkirchenzeit im Gemeindehaus Ober-Ofleiden. Sechs Mitarbeiterinnen des Kinderkirchenteams der Evangelischen Kirchengemeinden im Homberger Land gestalteten einen abwechslungsreichen Vormittag rund um das Thema „Streit und Versöhnung“.
Zum Einstieg konnten die Kinder ihre Gefühle auf einem großen Gefühlsbarometer sichtbar machen. Zwischen „schlecht“, „geht so“ und „gut“ suchten sie die Stelle aus, die zu ihrer jeweiligen Gefühlslage passte. Dabei wurde schnell deutlich: Streit kann ganz unterschiedliche Gefühle auslösen – Wut, Traurigkeit oder Enttäuschung. Eine Entschuldigung dagegen kann erleichtern. Passend dazu wurde das Lied „Aufstehen – aufeinander zugehen“ angestimmt. Gemeinsam überlegten die Kinder, was es bedeutet, aufeinander zuzugehen. „Manchmal ist Aufeinander-Zugehen ganz schön schwer – besonders, wenn man gerade noch sauer ist. Aber genau da kann Versöhnung anfangen: Einer macht den ersten Schritt“, fasste Gemeindepädagogin Antje Borgerding den Gedanken zusammen. Anschließend wurde es besonders lebendig: In einem Rollenspiel spielten die Kinder die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukasevangelium 15,11–32) nach. Dabei ging es um die Frage, was Verzeihen möglich macht. Die Kinder erfuhren: Versöhnung braucht manchmal Mut und es ist nicht immer leicht, den ersten Schritt zu machen – aber ein neuer Anfang ist möglich.
Nach so viel Bewegung und Nachdenken wartete ein gemeinsames Mittagessen. Die Mitarbeiterinnen hatten eine große Portion selbstgemachte Kartoffelsuppe mit Würstchen gekocht. Die Kartoffeln dafür wurden von einem Bauern aus der Region gespendet – eine schöne und leckere Unterstützung für die Kinderkirchenzeit. Am Nachmittag wurde es in den Kleingruppen praktisch. Die Kinder spielten Streitsituationen vor und überlegten gemeinsam: Wie können wir uns wieder vertragen? Dabei kamen viele gute Ideen zusammen: miteinander reden, zuhören, Mut haben, nachgeben, verzeihen, sich entschuldigen und den anderen verstehen. Zum Abschluss gestaltete jedes Kind eine Friedenstaube. Die Taube erinnert an die biblische Geschichte von Noah und ist bis heute ein Zeichen für Frieden und Hoffnung. Gemeinsam entstand so ein großer „Friedensvogelschwarm“.
Nora Weitzel, Koordinatorin der Kinderkirchenzeit im Homberger Land, fasste den Vormittag treffend zusammen: „Ich finde es schön zu erleben, wie die Kinder merken: Streit gehört zum Leben dazu – aber wir müssen nicht im Streit bleiben. Es gibt immer die Möglichkeit, wieder aufeinander zuzugehen.“ Bei der Abschlussrunde waren sich die Kinder einig: „Frieden ist cooler als Streit!“ Mit dem Vaterunser, dem Lied „Lasst uns miteinander“ und einem Segen ging eine fröhliche, nachdenkliche und friedliche Kinderkirchenzeit zu Ende.