Mit einer fulminanten Darbietung des „Prince of Denmark March“ gratulierte der Evangelische Posaunenchor Lehrbach sich am Pfingstsonntag selbst zum runden Geburtstag: Fünfzig Jahre alt wurde der Chor, den Pfarrer Werner Schauß demnach vor einem halben Jahrhundert gegründet hatte – und die Kirchengemeinde feierte diesen Anlass gerne mit. Und nicht nur sie: Dekanin Dr. Dorette Seibert hatte eine Predigt mitgebracht und als Höhepunkt des Tages eine Liste mit Ehrungen, die sie gemeinsam mit Pfarrerin Rahel Burkholz im Namen des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vornahm.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand an diesem Nachmittag die Musik. Der Posaunenchor Lehrbach unter der Leitung von Wolfgang Scheid hatte sich Verstärkung von Bläsern aus Schwabendorf und Angenrod geholt und zum Jubiläum so kraftvolle Stücke wie „Brass Fantasie“, Hits wie „Sweet Caroline“ oder die Rock-Hymne „Smoke on the Water“ einstudiert. All das gab es im Verlauf des Festgottesdienstes in der Lehrbacher Kirche zu hören, und die Gäste dankten den Musikern mit viel Applaus dafür, dass sie ihnen zum Jubiläum einen ganz besonderen musikalischen Genuss schenkten, der überdies noch von Spielfreude, guter Gemeinschaft und Leidenschaft für die Musik Zeugnis ablegte. Selbstverständlich begleiteter der Chor – abwechselnd mit dem Organisten Reiner Maennl – auch die Choräle.
Eingebettet in den Ablauf waren einige Grußworte – das erste war Werner Schauß vorbehalten. Der ehemalige Lehrbacher Pfarrer blickte zurück auf die Anfänge des Posaunenchors, in denen es nicht nur eine Aufgabe war, Musikerinnen und Musiker, sondern auch finanzielle Mittel zu finden. Die damals noch überwiegend jugendlichen Musikinteressierten brachten keinerlei Vorkenntnisse mit, berichtete der Pfarrer, der sich sichtlich freute, viele von seinen damaligen Schülerinnen und Schülern wiederzusehen. Er attestierte ihnen ein hohes Niveau und Vielseitigkeit ihrer Bläsermusik und ermunterte sie, auch weiter „zur Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde“ zu spielen.
Auch Pfarrerin Rahel Burkholz zeigte sich in ihrem Grußwort „immer wieder beeindruckt von der Qualität der Musik, die ein Bereicherung für die Gemeinde“ sei.
In ihrer Predigt verband Dekanin Dr. Dorette Seibert das Pfingstfest mit dem Jubiläum, denn „Pfingsten war kein stilles Fest“. Die Dekanin spannte den Bogen vom hebräischen Wort für „Geist“, das auch „Atem“ bedeutet und somit gut zu einem Posaunenchor passt, der wiederum die Kraft des Geistes hörbar mache. Gemeinsam einzusetzen und etwas zu tun, sei gerade heute in Zeiten von Vereinzelung und Einsamkeit sehr wichtig. Die Pfingstgeschichte erzähle vom Glauben und von Perspektiven, von Verkündigung gegen Sprachlosigkeit, auch von Begeisterung. Aus „pfingstlichen Momenten“ entstünde neue Kraft.
Marion Decher vom Kirchenvorstand unterstrich die Bedeutung von Musik für den Glauben, sie verkünde die frohe Botschaft, spende Trost und Freude. Der Posaunenchor sei ein unverzichtbares Aushängeschild der Gemeinde, dankte sie dem Chor und seinem Leiter für seinen Aktivitäten. Als Dank schenkte sie den Musikern das neue Bläserheft der EKHN.
Gemeinsam überbrachten Dekanin Seibert und Pfarrerin Burkholz sodann die Auszeichnungen des Posaunenwerks: Für fünfzig Jahre Mitgliedschaft wurden Wolfgang Schönhals, Michael Geisel, Dirk Rechmann und Karl-Ernst Leim geehrt. Sie erhielten eine Urkunde und eine Farbgrafik. Reiner Maennl und Wolfgang Scheid erhielten für vierzig Jahre Treue eine Urkunde. Die Goldene Bläsernadel für fünfundzwanzig bis neununddreißig Jahre erhielten Thomas Malkus, Stefanie Stark-Schneider, Natascha Grimm, Beate Leim und Marion Decher. Für zehn bis zwanzig Jahre schließlich erhielten Sophia Rechmann, Charlotte Rechmann und Colin Malkus die Ehrennadel in Silber.
„Fünfzig Jahre mit Höhen und Tiefen, das ist schon was“, sagte Karl-Ernst Leim als Vorsitzender des Posaunenchors. Achtunddreißig Menschen hätten bisher im Lehrbacher Chor mitgespielt, resümierte er und würdigte auch die verstorbenen Mitglieder. Ortsvorsteher Sebastian Otto betonte, dass der Posaunenchor viele Auftritte außerhalb des kirchlichen Auftrages wahrnehme und viele Feste und Anlässe in der Gemeinde bereichere. „Ihr schafft Identität und tragt zum Gemeindeleben bei“, lobte er die Musiker und dankte dafür ausdrücklich. Auch Kirtorfs Bürgermeister Christoph Lück lobte den Fleiß und die Qualität der Musiker, die – zu seiner Freude – auch zahlreiche Nachwuchstalente in ihren Reihen hätten. Ihr Repertoire zeige außerdem, dass sie mit der Zukunft gingen. Er sprach den Lehrbachern ein großes Dankeschön aus. Aus der Gemeinde ergriff schließlich noch Marlies Rechmann das Wort, auch sie würdigte die Leistung des rührigen Vereins, der im Anschluss noch gemütlich feierte.