Mehr als 30 Jahre lang hat Pfarrerin Andrea Wiemer die evangelische Kirchengemeinde Freiensteinau geprägt und Menschen in allen Lebenslagen begleitet. Im Rahmen eines festlichen Erntedankgottesdienstes wurde sie aus ihrem aktiven Dienst entpflichtet. Zum 1. Oktober tritt sie in den Ruhestand ein.
Der Gottesdienst stand unter dem Leitwort „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ aus Psalm 31. Für Wiemer wurde dieses Bibelwort zu einem roten Faden ihrer mehr als drei Jahrzehnte in Freiensteinau. „Es sind gute und vielfältige Jahre gewesen hier, zusammen mit Ihnen allen, ein halbes Leben“, sagte sie in ihrer Abschiedspredigt.
Sie erinnerte an zahlreiche Begegnungen bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Geburtstagsbesuchen, an die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie an gemeinsame Projekte mit Kirchenvorstand, Kindergarten und Schule. Auch die Entwicklung der kirchlichen Gebäude und Außenanlagen habe sie über die Jahre begleitet. „Es hat mir Freude gemacht, zu entdecken, auszuprobieren, umzusetzen, zu gestalten“, sagte Wiemer. Vieles sei gelungen, manches habe einen langen Atem gebraucht.
Der Kirchenvorstand, die Gemeinde und Dekanin Dorette Seibert im Namen des Dekanats würdigten Wiemers langjähriges Wirken. Auch Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer würdigte Wiemers Wirken im Namen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie habe Generationen von Menschen begleitet und sei über viele Jahre zu einem festen Teil des Gemeindelebens geworden. Bei der Entpflichtung wurde zugleich betont: Mit dem Ruhestand enden die dienstlichen Verpflichtungen, die Ordination bleibt jedoch bestehen. Wiemer kann also auch künftig Gottesdienste feiern, predigen, taufen und Abendmahl feiern, nun in aller Freiheit und ohne dienstliche Verpflichtung.
Gemeinsam neue Wege gehen
Der Abschied fällt in eine Zeit des Aufbruchs. Im Rahmen des Reformprozesses EKHN 2030 schließen sich zum 1. Januar 2027 die evangelischen Kirchengemeinden Freiensteinau, Crainfeld und Herchenhain zur Gesamtkirchengemeinde „An der Bonifatiuskanzel“ zusammen. Die Verantwortlichen der drei Kirchengemeinden haben diesen gemeinsamen Weg in einem konstruktiven und vertrauensvollen Prozess entwickelt. Die neue Gesamtkirchengemeinde steht für Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und den gemeinsamen Willen, kirchliches Leben vor Ort zu stärken. Die neue Form der Zusammenarbeit ermöglicht es, Aufgaben und Verantwortung gemeinsam zu tragen und die kirchliche Arbeit in der Region zukunftsfähig aufzustellen.
Gemeinsam mit den Gemeinden Stockhausen-Rixfeld, Kirchengemeinde an Schwarzbach und Altefell, Herbstein-Lanzenhain und Nieder-Moos bilden sie den Nachbarschaftsraum Hoher Vogelsberg. Hier ist ein Verkündigungsteam mit den Pfarrpersonen Johannes Cunradi, Heidi Kuhfus-Pithan, Daniel Meyer und Susanne Weide sowie den Gemeindepädagoginnen sind Maria Hoyer und Ruth Martin-Weigang aktiv.
Auch Wiemer blickte in ihrer Predigt zuversichtlich auf diesen nächsten Schritt: „So wie Sie nun neue Wege beschreiten, müssen und wollen auch wir neue Wege gehen.“ Sie wünsche der neuen Gesamtkirchengemeinde, diesen „weiten Raum“ gemeinsam zu entdecken und mit Leben zu füllen.
Nach dem Gottesdienst verabschiedeten sich Gemeindeglieder, Weggefährtinnen und Weggefährten bei einer Feier im Pfarrhof persönlich von ihrer langjährigen Pfarrerin, darunter auch der Bürgermeister und die Schulleitung.
Für Andrea Wiemer beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Für die Kirchengemeinden beginnt zugleich ein gemeinsamer neuer Weg. „Gott hat mir dabei zur Seite gestanden und mich begleitet. Nicht nur mich, sondern uns alle. Dafür bin ich dankbar“, sagte Wiemer zum Abschluss ihrer Predigt.