Martin Reibeling ist neuer Präses im Dekanat Vogelsberg

veröffentlicht 16.03.2026 von T. Schlitt, Ev. Dekanat Vogelsberg

In der Dorfschern in Pfordt fand vor kurzem die Frühlingssynode des Evangelischen Dekanats Vogelsberg statt. Neben den vielen Beschlüssen zur Verwaltung standen zwei bedeutende Wahlen auf der Tagesordnung: Mit Martin Reibeling wurde ein neuer Präses, ein ehrenamtlicher Vorsitzender der Dekanatssynode gewählt. Annedore Radvan wurde seine Stellvertreterin.

 

Die Tagung startete mit einem Gottesdienst, den Henriette Crüwell, Pröpstin von Rheinhessen und Nassauer Land, gestaltete. Darin ging es um die Notwendigkeit, sich in Veränderungen selbst zu vergewissern, bevor man Entscheidungen trifft. „Alles beginnt mit dem Warum und Wozu – das Was und das Wie ordnen sich diesem Fragen unter.“ Im Gottesdienst fand bereits vor der Synode eine bedeutende personelle Veränderung statt: Die Notfallseelsorger Thomas Schill und Sven Kießling verabschiedeten Dr. Jürgen Sauer aus seinem Ehrenamt in der Notfallseelsorge. Noch bis weit in sein Rentenalter hinein habe Sauer den anstrengenden Dienst mitgetragen; verlässlich, empathisch, nah an den Menschen. 

Die Sitzung selbst wurde von Martin Reibeling, zu der Zeit als Präses noch kommissarisch im Amt, eröffnet. Er übergab das Wort zunächst an Heiko Siemon, den Schlitzer Bürgermeister. Dieser stellte die Verbindungen von Kirche und Kommune heraus – als Organisationen mit Gebäuden und Ehrenamtlichen sowie mit besonderen Aufgaben für die Kirche im ländlichen Raum. Neben Siemon und der Pröpstin waren als Ehrengäste die Vertreter der Regionalverwaltung, des Beratungszentrums, der katholischen Kirche und der Mitarbeitendenvertretung vor Ort.

Wahl von Martin Reibeling zum Präses

Nach den Eröffnungsregularien übernahm Dekanin Dr. Dorette Seibert die Moderation, da die Neuwahl zum Präses anstand. Außer dem kommissarischen Amtsinhaber Martin Reibeling gab es keine Kandidaten. Der 59-jährige Angenröder wurde mit großer Mehrheit gewählt. Seinen Platz im Dekanatssynodalvorstand wird Klaus Beutel aus Homberg (Ohm) einnehmen. Auch ihn wählte die Versammlung mit großer Mehrheit in dieses Gremium. Zur stellvertretenden Präses wurde im Anschluss Annedore Radvan gewählt. In den Auszählpausen stellten Diakon Holger Schäddel und die beiden Pfarrer Michael Koch und Daniel Meyer die Ausstellung „Vom Heiligen Ort zum Lebensraum“ vor. Sie beschäftigte sich den ganzen Februar über mit Perspektiven für kirchliche Gebäude, die zukünftig nicht mehr finanziert werden können.

ekhn2030

Pröpstin Henriette Crüwell informierte die Synodalen im Anschluss über den aktuellen Stand des Zukunftsprozesses ekhn2030. Die Einsparziele, so die Botschaft, wurden aufgrund aktueller Entwicklungen und neuer Berechnungen erhöht – von 140 plus 75 Millionen Euro bis zum Jahr 2035 ist nun die Rede. Dies habe nicht nur eine Weiterentwicklung der strukturellen Veränderungen zur Folge, sondern erstmals soll auch über Einnahmequellen jenseits der Kirchensteuer nachgedacht werden. Auf Ebene der Dekanate und Nachbarschaftsräume würden die Neuerungen u.a. im Bereich der Verwaltungsleitungen und im Digitalisierungsprogramm deutlich. Mit Blick auf die bevorstehende Wahl der Kirchenvorstände im kommenden Jahr positioniere sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) deutlich zum Umgang mit extremen politischen Haltungen, wie die Pröpstin ankündigte; für die noch im März stattfindende Kommunalwahl in Hessen und die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hatte die EKHN mit der Kampagne „Aufstehen für …“ zum Wählen aufgerufen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung beschloss die Versammlung den Doppelhaushalt 2026/2027; hinzu kamen der Bericht aus dem Finanzausgleich und verschiedene Vergaberichtlinien. 

Bericht der Dekanin

Die Dekanin legte in ihrem Rückblick den Schwerpunkt zum einen auf die Herausforderungen des Zukunftsprozesses ekhn2030, in dessen Rahmen sich gerade auf der Ebene der Gemeinden und Nachbarschaftsräume nun schon viel getan habe; zum anderen hob sie positive Ereignisse des Berichtsjahres hervor: Das regelmäßige Pilgern zur Passion, das Engagement der Lektoren und Prädikanten, die Bereitschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer, Vakanzen zu vertreten und die vielen Möglichkeiten zu Austausch und Vernetzung, die auf verschiedenen Ebenen geschaffen wurden. Sie blickte zurück auf den Besuch der Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz im Dekanat, auf den Propsteitag und einige neue Kolleginnen und Kollegen in den Pfarrhäusern oder der Verwaltung. Mit großer Freude wagte sie auch einen Ausblick auf den bevorstehenden Jugendkirchentag, der im Juni in Alsfeld stattfinden wird. 

Mit großer Mehrheit fasste die Versammlung den Beschluss, in der EKHN eine bessere Betreuung und Begleitung durch die Abteilungen Bau und Liegenschaften anzumahnen. Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war die Zukunft des Beratungszentrums. Mit dem Rücktritt von Sylvia Bräuning aus dem ehrenamtlichen Vorstand des Zweckverbandes der Dekanate Vogelsberg und Büdinger Land stelle sich die Frage, ob eine ehrenamtliche Geschäftsführung noch leistbar und wünschenswert sei oder ob ein Trägerwechsel in Frage kommen könne. Wichtig sei, so die ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende, Pfarrerin Kerstin Gütgemann, das Beratungszentrum mit seiner bedeutenden Funktion in der Drogen- und Suchtberatung und -prävention auf sichere Beine für die Zukunft zu stellen. Norbert Kelbassa, Dekanatsmitarbeiter im Ruhestand, stellte sich als neues Vorstandsmitglied im Zweckverband zu Wahl. Beide Themen – Wahl und Prüfauftrag zur Trägerschaft – werden Gegenstand einer neuen Tagung sein. 

Christoph Frenk, Geschäftsführer der Gemeindeübergreifendenden Trägerschaft inzwischen aller evangelischer Kitas, berichtete aus seinem Arbeitsfeld. Schwerpunkt war hier, dass man mit den Kommunen wegen der Unterhaltung der Gebäude in Verhandlungen treten müsse. Selbst wenn, wie beabsichtigt, diese Kosten auf die Kommunen übergehen, trete die Kirche immer noch mit über einer einer Million Euro plus Verwaltungskosten für die Kitas im Vogelsberg ein, unterstrich Frenk.

Mit einem Ausblick auf einen Abschied endete die Synode: Michael Gütgemann, Pfarrer der Kirchengemeinde Wartenberg-Rudlos, war am Vorabend der Synode von der Synode im Vorderen Odenwald zum neuen Dekan gewählt worden. Die Versammlung in Pfordt gratulierte und bedauert schon jetzt den Weggang des engagierten Theologen, der mit seiner Frau, Pfarrerin Kerstin Gütgemann, im Lauf des Jahres die Region verlassen wird.

Die Synode ist das regionale Kirchenparlament des Evangelischen Dekanats Vogelsberg. Es besteht aus Synodalen aller Kirchgemeinden; an der Frühlingssynode nahmen über hundert Delegierte, Mitarbeitende und Gäste teil.