„Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)
Manchmal reicht ein kurzer Satz, um das Herz des Evangeliums zu erfassen. Dieser Vers aus dem Lukasevangelium gehört dazu. Er steht am Ende der Geschichte von Zachäus – einem Mann, der in den Augen seiner Mitmenschen verloren war: ausgegrenzt, verachtet, abgestempelt. Und doch ist genau er es, den Jesus sieht, anspricht und in dessen Leben er einkehrt.
„Zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ – das ist nicht nur eine Beschreibung dessen, was Jesus damals tat. Es ist sein Auftrag, sein Wesen, seine Bewegung hin zu den Menschen. Jesus wartet nicht, bis sich Menschen auf den Weg zu ihm machen. Er geht ihnen nach. Er sieht, wo andere wegsehen. Er spricht an, wo andere schweigen.
Verloren und doch gesehen
Verloren sein hat viele Gesichter. Es kann die große Krise sein, Schuld, die schwer auf der Seele liegt, oder das stille Gefühl, nicht dazuzugehören. Manchmal ist es auch einfach eine innere Leere, die sich trotz eines vollen Lebens breitmacht. In all dem gilt: Niemand ist für Jesus aus dem Blick geraten.
Die Begegnung mit Zachäus zeigt, was geschieht, wenn ein Mensch sich finden lässt. Aus Distanz wird Nähe, aus Schuld wird Vergebung und ein neuer Anfang. Zachäus bleibt nicht derselbe – und doch wird er endlich der, der er eigentlich sein soll.
Du musst nicht perfekt sein
Dieser Vers lädt ein, sich selbst darin wiederzufinden. Vielleicht nicht als der „Verlorene“ im offensichtlichen Sinn – aber doch als jemand, der immer wieder darauf angewiesen ist, gefunden zu werden. Und er macht Mut, darauf zu vertrauen: Gott sucht mich durch Jesus Christus. Er gibt nicht auf. Er gibt mich nicht auf. Er bleibt in Bewegung, bis er (mich) findet.
Das ist die stille, aber kraftvolle Hoffnung dieses Wortes: Wir müssen nicht perfekt sein, um bei Gott einen Platz zu haben. Es genügt, sich von ihm finden zu lassen.
Arno Broers
Gemeinschaftspastor
Ev. Stadtmission Lauterbach
Landeskirchliche Gemeinschaft Landenhausen