„Das Coolste ist die Gemeinschaft!“

veröffentlicht 04.05.2026 von T. Schlitt, Ev. Dekanat Vogelsberg

60 Jugendliche aus Oberhessen verbringen eine Woche in Taizé und bringen nachhaltige Eindrucke aus der Bruderschaft mit zurück nach Deutschland

Gastbeitrag von Kathrin Landwehr-Martin (Katholisches Jugendbüro Alsfeld)

Ein helles Brötchen mit einer Stange dunkler Schokolade und einem Stückchen Butter zum Frühstück – auf den ersten Blick sieht das nach einem sehr einfachen Frühstück aus. Doch bei über 60 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Oberhessen lässt gerade das die Herzen höherschlagen: Sie haben von Ostermontag bis Sonntag eine Woche in Taizé verbracht. Das kleine Dorf Taizé in Frankreich (Burgund) ist bekannt für seine Jugendtreffen. Katholische und evangelische Akteure aus Oberhessen haben auch dieses Jahr wieder eine ökumenische Fahrt dorthin organisiert.

Die Jugendtreffen in Taizé sind geprägt von Gemeinschaft, Einfachheit und intensiven Glaubenserfahrungen. Seit der Gründung durch Frère Roger sind bei der ökumenischen Bruderschaft in Taizé Woche für Woche Tausende von jungen Menschen aus der ganzen Welt zu Gast. Inzwischen hat sich Taizé zum größten christlichen Jugendtreffen in Europa entwickelt. 

Gemeinschaft erleben

Bereits auf der Hinfahrt im Doppeldeckerbus war die Vorfreude auf die vorliegende Taizé-Woche spürbar. Taizélieder wurden angestimmt und die „alten Hasen“ berichteten den „Neuen“, was sie in Taizé erwartet. 

Alexander aus Hungen ist zum ersten Mal in Taizé. Zusammen mit seinem Freund aus dem Firmkurs hat er sich zur Fahrt angemeldet und ist von Taizé positiv überrascht: „Am meisten begeistert mich die Offenheit der Menschen hier.“ erzählt er. „Man kann zu jedem hingehen und einfach reden, egal in welcher Sprache.“ Er habe bereits schwedische, türkische und polnische Jugendliche kennengelernt.

Auch Marie aus dem Vogelsberg ist zum ersten Mal dabei und schwärmt ebenfalls von der Atmosphäre in Taizé: „Das Tolle an Taizé ist, dass man ganz viele neue Leute kennenlernt und neue Freundschaften knüpfen kann.“ Im Reisebus hat sie Lea-Maria aus Linden kennengelernt. Sie haben sich auf Anhieb gut verstanden. Für Lea ist die Taizéfahrt ebenfalls eine Premiere: „Die Menschen sind hier so offen und es macht einfach Spaß.“ 

Ob in der Essenschlange, im abendlichen Partyzelt oder beim Spielen auf der Wiese: Taizé ist ein Ort, der Menschen verbindet – nicht nur Menschen unterschiedlicher Herkunft, sondern auch Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Erfahrung konnte Toni aus Gießen machen. Sie sitzt im Rollstuhl und teilt sich über einen Sprachcomputer mit. „Das Coolste an Taizé ist die Gemeinschaft mit anderen Jugendlichen“, sagt sie und strahlt.

Gott entdecken

Neben Begegnung und Gemeinschaft hatten die Jugendlichen in Taizé viel Zeit, um über das eigene Leben und den persönlichen Glauben nachzudenken. Dafür hilft der fest vorgegebene Tagesablauf. Jeden Morgen hat ein Bruder aus der Taizégemeinschaft auf lockere und authentische Art in einen Bibeltext eingeführt. Anschließend tauschten sich die Jugendlichen in Kleingruppen darüber aus, was der Bibeltext und die Worte Jesu mit dem eigenen Leben zu tun haben. Dreimal am Tag sind Gebete. Mit den wunderschönen Taizégesängen und einer Zeit der Stille. „Zu Hause fehlt mir vor lauter Terminen oft die Zeit zum Nachdenken. Hier in Taizé habe ich endlich mal Zeit für sowas“, erzählt Morena.

Jasmin aus Pohlheim gefallen die Gebetszeiten in Taizé besonders gut: „Die Gottesdienste sind hier anders als zu Hause. Besonders die Stille gefällt mir gut. Ich merke hier in Taizé eine sehr starke Verbindung zu meinem Glauben.“ Auch Toni schätzt die Art der Gebete in Taizé: „Ich empfehle jedem hierher zu kommen, der Stille sucht und näher zu Gott und Jesus finden will.“ Und sie fügt hinzu: „In Taizé ist es ganz normal, gläubig zu sein. Das ist schön.“ 

Für die Betreuerinnen und Betreuer der Taizéfahrt ist das einer der Gründe, warum sie die Fahrt immer wieder anbieten. „Taizé gelingt es, in den jungen Menschen etwas wach zu kitzeln. Etwas, das bis dahin vielleicht verborgen war: Die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Und nach einer Beziehung zu Gott.“ Man habe auch dieses Jahr wieder gemerkt, dass viele der Jugendlichen während der Taizéwoche neue Hoffnung, Kraft und Vertrauen für ihren Alltag zu Hause schöpfen. 

Spaß beim Gemeinschaftsdienst 

Damit so eine Taizéwoche mit Tausenden jungen Menschen funktioniert, wurden den Jugendlichen vor Ort Gemeinschaftsdienste zugeteilt. Ob Kochen, Essen austeilen, Nightguard, spülen oder Toilette putzen – die jungen Menschen hatten viel Spaß bei der gemeinsamen Arbeit und waren am Ende auch ein bisschen stolz auf das, was sie gemeinsam geschafft haben. 

Eine besondere Erfahrung war auch dieses Jahr wieder die einfache Unterbringung und Verpflegung in Taizé: Geschlafen haben die 60 Teilnehmenden in einfachen Holzbarracken oder im Zelt. Die Sanitäranlagen teilte man sich mit anderen. Zum Mittag- und Abendessen gab es jeden Tag einfache Eintöpfe mit Löffel und einer Plastikschale mit Wasser aus dem Brunnen. Für Cordula aus Alsfeld, die schon mehrmals mit in Taizé war, hat diese Einfachheit einen positiven Effekt: „Immer wenn ich in Taizé bin, merke ich, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein.“ Ähnlich beschreibt es auch Markus aus Schlitz: „Wenn man von Taizé nach Hause kommt, lernt man den Luxus, den man hier hat, wieder neu schätzen.“

Manch einer wird sich fragen, warum man über 700 Kilometer für einfaches Essen und Unterbringung in Holzbarracken nach Frankreich fahren soll? Die Antwort von Jasmin aus Pohlheim bringt es auf den Punkt: „Weil man hier viele neue Erfahrungen sammelt, neue Leute kennenlernt und auch Gott näher kommt.“ 

Die oberhessische Taizéfahrt wird vom Katholischen Jugendbüro Oberhessen/Alsfeld und dem Evangelischen Dekanat Vogelsberg zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des katholischen Pastoralraums Gießen-Süd, der Jungen Kirche Gießen und des Evangelischen Dekanats Gießen organisiert. Zum diesjährigen Betreuerteam gehörten Pastoralreferentin Kerstin Rehberg-Schroth (Pohlheim), Tim van Slobbe (Pohlheim), Emily Widomski (Pohlheim), Gemeindepädagogin Miriam Weigang (Gießen), Pfarrerin Johanna Fröhlich (Gießen), Gemeindepädagogin Lena Franke (Gießen), Bianca Haarich (Vogelsberg), Markus Wagner (Kath. Pfarrei Lauterbach) und Jugendreferentin Kathrin Landwehr-Martin (Vogelsberg).

Jedes Jahr um Ostern herum wird die Fahrt angeboten. Mitfahren können alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 15 Jahren. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. 

Bis zur nächsten Taizéfahrt findet jeden Monat an einem anderen Ort im Vogelsbergkreis ein ökumenisches Taizégebet statt. Infos gibt es beim Evangelischen Dekanat Vogelsberg (www.vogelsberg-evangelisch.de, 06631 / 911 490) oder beim Katholischen Jugendbüro Alsfeld (www.kjb-oberhessen.de, 06631 / 77 651 12).