Büttenreden, Gardetänze, Faschingsumzug. Bis Aschermittwoch waren die Narren unterwegs. Ausgiebig feiern, mit Freunden zusammen sein, singen, lachen, tanzen. Humorvoll verpackt werden kritische gesellschaftliche Fragen und Ungerechtigkeiten benannt. Wir schlüpfen in andere Rollen, geben dem Protest Raum. Wir schieben die Sorgen des Alltags beiseite und leben kostümiert leichter und ausgelassener. Und was kommt danach? Die evangelische Fastenaktion 2026 steht unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Bis Ostern sind wir eingeladen unter diesem Motto unser Handeln und Tun zu überdenken. Wieder mal eine Übergangsphase zwischen den Zeiten. „Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn“ (Mt 4,2) Damit erinnern christliche Fastentraditionen an die vierzig Tage und Nächte, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte. Nach was hungerte ihn? Fasten ist nicht unbedingt Verzicht. Für sieben Wochen richtet sich mein Blick auf mein Inneres. Auf meine Seele und was ihr gut tut. Eine bewusste Zeit zum Nachdenken, Einlenken und Umdenken. Dabei kann ich mich wunderbar bereichern. Mit Gefühl und ohne Härte. Ich nehme mir vor, dass Gott in diesen Wochen etwas mehr durch mich in diese Welt scheint. Mitfühlender Umgang, ehrliche Anteilnahme, ein zugewandtes Wort, ein fröhliches Lächeln. Manchmal sind es nur kleine Gesten, die andere zum schmunzeln bringen, die in den Tag einen dankbaren Moment zaubern. Ganz ohne Härte, ohne böse Absichten, ohne verletzende Lästerei oder falsche Behauptungen. Einfach mit Gefühl eben! Gottes Reich ist mitten unter uns wo wir unser Herz öffnen und feststellen, dass es Gemeinschaft ist die trägt. Helfen und Gebraucht werden, Geben und Nehmen, schenkt uns das Gefühl von Liebe und Dankbarkeit und lässt uns Gottes Nähe spüren.
Heike Krannich, Vikarin