Freude und Leid – gleichzeitig

veröffentlicht 14.02.2026 von von hklu, Ev. Dekanat Vogelsberg

Ein Impuls über die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben.

Die einen freuen sich und gehen heute Abend zur Faschingssitzung.

Andere nicht.

Die einen sind verliebt und leben in einer glücklichen Beziehung und beschenken sich heute am Valentinstag.

Andere nicht.

Diese Liste der Gegensätze könnten wir noch weiter fortsetzen. 

Wir leben in und mit Gegensätzen. Auch durch die moderne Medienwelt erleben wir diese Gleichzeitigkeit tagtäglich. Das kann wunderbar sein, z.B. wenn man sich in der Familiengruppe freudige Nachrichten teilt und sich gleichzeitig an verschiedenen Orten gemeinsam darüber freuen kann.

Es kann aber auch unerträglich sein, vom Sofa im geheizten Wohnzimmer aus die Katastrophenmeldungen im Fernsehen zu verfolgen.

Beides gibt es gleichzeitig – die Freude und den Kummer, Krieg und Frieden.

In der Bibel heißt es im Buch Kohelet: „Alles hat seine Zeit. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: ….eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz (Kohelet 3, 1.4)“ 

Nacheinander bzw. im Wechsel sind diese Gegensätze nachvollziehbar.

Aber gleichzeitig? Das empfinde ich oft als große Herausforderung.

Es heißt, Freude und Leid sind wie zwei Schwestern, die Hand in Hand durchs Leben gehen. Die eine kann ohne die andere nicht sein. Oder: Freude und Leid sind wie zwei Seiten einer Münze: Wie man sie auch dreht und wendet, immer kann man eine Seite sehen, ohne dass die andere damit verschwunden wäre.

Die (Lebens)Kunst besteht wohl darin, der jeweiligen Seite beim Betrachten die volle Aufmerksamkeit zu schenken – die Entscheidung für den Augenblick. Das Glück und der Segen des Augenblicks liegen in der Erkenntnis, dass nur die Gegenwart wirklich existiert. Während die Vergangenheit schon vorüber und die Zukunft noch nicht da ist, bietet der jetzige Moment den einzigen Raum für unser Erleben. Die Heilige Teresa von Avila (1512-1582) hat empfohlen: Wenn Fasten, dann Fasten; wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn. 

In diesem Sinne wünsche ich allen, die an diesem Wochenende fröhlich Fastnacht feiern, viel Freude und unbeschwerte Stunden im Hier und Jetzt. 

Hedwig Kluth

Pastoralreferentin im Pastoralraum Vogelsberg Süd