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»Gesamtgesellschaftlich am Ball bleiben«
 Matthias Schmidt will als Propst Pfarrerinnen und Pfarrer entlasten. Bild: EKHN
LAUTERBACH/GIESSEN (epd). Der neue oberhessische Propst Matthias Schmidt hat sich für eine stärkere Entlastung der Pfarrer ausgesprochen. »Ich erlebe viele Kollegen, die ihre Arbeit gut und gerne machen, aber auch frustriert und ausgebrannt sind«, sagte Schmidt dem Evangelischen Pressedienst in Gießen. »Das sollte die Kirchenleitung wahrnehmen und neu fragen: Was erwarten wir vom Pfarrerberuf?«
Schmidt wurde im November von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Nachfolger von Klaus Eibach gewählt und tritt sein Amt am 1. März an.
Ursache für die hohe Belastung im Pfarrberuf ist laut Schmidt vor allem der Zuwachs an Arbeit, der in den vergangenen Jahren auf die Pfarrämter zukam. Kirchspiele seien größer geworden, die vielen Veränderungsprozesse in den Gemeinden seien nicht professionell begleitet worden. Verwaltungsaufgaben nähmen mittlerweile einen großen Teil der Zeit in Anspruch, die eigentlich für Seelsorge benötigt würde. Pfarrer hätten es in Konfirmandenunterricht und Schule häufiger mit schwierigen Jugendlichen zu tun. »Da brauchen wir neue Modelle«, forderte der 45-Jährige.
Ein möglicher Weg sei die Bildung von Schwerpunkten: »Das Wunderbare am Pfarrberuf ist die Vielfalt der Lebensbereiche, mit denen man es zu tun bekommt.« Trotzdem habe jeder seine besonderen Stärken, etwa in der Jugendarbeit oder der Seelsorge. Denkbar seien »Pfarrteams«, die über Gemeindegrenzen hinweg agieren und sich ergänzen. Schmidt möchte die Pfarrer zudem ermutigen, freie Tage, Fortbildungen und Beratung in Anspruch zu nehmen.
Noch immer sei die Kirche in den Ortschaften gefragt, sagte der künftige Propst. In den lokalen »Bündnissen für Familie« seien die Kirchengemeinden wichtige Ansprechpartner. In ländlichen Regionen, in denen die Infrastruktur immer weiter abgebaut werde, entstünden in vielen Orten Nachbarschaftshilfen. »Da spielen die Kirchengemeinden eine wichtige Rolle«, erklärte Schmidt. Die Kirche müsse »gesamtgesellschaftlich am Ball bleiben«, etwa über die Fach- und Profilstellen Bildung, Öffentlichkeitsarbeit oder Gesellschaftliche Verantwortung. Er selbst habe etwa, als im Vogelsberg intensiv über grüne Gentechnik diskutiert wurde, diese Debatte mitgestaltet. »Es hätte sich nicht jeder einzelne Pfarrer in dieses komplexe Thema einarbeiten können.« Schmidt ist derzeit noch Referent für Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Vogelsberg.
Der verheiratete Vater zwei 17 und 19 Jahre alter Kinder plant seinen Wohnsitz in Lauterbach »mittelfristig« nach Gießen zu verlegen. Offiziell wird er am 7. März um 17 Uhr in der Petruskirche in sein Amt eingeführt. Die Propstei Oberhessen umfasst die Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau mit rund 670 000 Einwohnern, von denen etwa 350 000 evangelisch sind. | 

»Um der Liebe Gottes willen keine Gewalt«
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat in seiner Predigt am Silvesterabend in Lauterbach dazu aufgerufen, gegen Gewalt einzutreten, Menschen in persönlichen Notlagen Hilfe zu leisten und sich dafür einzusetzen, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können.
Als Aufgabe der Christen bezeichnete es Jung, »im Kraftfeld von Gottes Liebe zu leben und diese Liebe in diese Welt hineinzutragen«. Gott zeige seine Liebe in seinem Sohn Jesus Christus. Dessen Leiden und Sterben am Kreuz sei »ein Protest gegen alles Leid, das Menschen einander zufügen.« Indem Gott in seinem Sohn mitleide, zeige Gott zudem, dass er die Probleme dieser Welt nicht durch Macht und Gewalt lösen wolle sondern durch Liebe. Das sei »das Geheimnis seiner Gottheit«. Daraus folgerte Jung wörtlich: »Um der Liebe Gottes willen darf es nicht sein, dass Menschen einander Gewalt antun. Um der Liebe Gottes willen darf es nicht sein, dass unschuldige Menschen zum Opfer werden, weil andere ihr Leben und ihren Lebensstandard absichern - durch Macht und Geld und Waffen. Um der Liebe Gottes willen darf es nicht sein, dass Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können. Um der Liebe Gottes willen darf es nicht sein, dass Menschen in ihrer persönlichen Not keine Hilfe finden.« Jung schloss mit dem Wunsch: »So gebe uns Gott, dass seine Liebe uns stark macht auf unserem Weg durch die Zeit - hinein in das neue Jahr, das er uns schenkt.« (ekhn)
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