Dieses Jahr ist der Kirchenmusik gewidmet und am morgigen Sonntag, der den Namen „Kantate“ trägt, wird wohl in den Gottesdiensten der Kirchenmusik, dem Gesang zum Gotteslob und die Wertschätzung des Gesangs breiten Raum eingeräumt. Das die Musik eine wichtige Rolle spielt wird durch folgenden Satz deutlich: „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“ Mit diesen Worten hat Martin Luther die Wirkung und Bedeutung der Musik beschrieben. Er komponierte selbst neue Lieder oder übernahm vorhandene Melodien und gab ihnen neue deutsche Texte oder übersetzte die Originaltexte, um auch auf diese Weise sein reformatorisches Anliegen zu verbreiten. Und große Komponisten – wie z.B. Johann Sebastian Bach – setzten in der Folgezeit mit ihren Werken Zeichen in der Kirchenmusik, die ein wichtiger Bestandteil der Verkündigung war und ist und bleiben wird und mit dazu beiträgt, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen zu verkünden.
Ja, als Christen können wir fröhlich singen, weil die Botschaft von der Liebe Gottes und der Sieg Jesu über den Tod durch seine Auferstehung uns alle zu fröhlichen Christen macht, oder machen sollte. Christen dürfen darum fröhliche Lieder spielen, dabei aber nicht vergessen, was das Ziel ihres Gesanges sein soll und bleiben muss: Gott zu loben.
Wenn ich mich jedoch umsehe dann stelle ich fest, dass uns das Lob Gottes nicht mehr so ohne weiteres über die Lippen kommt. Eine sich ausbreitende Wirtschaftskrise, deren Folgen noch nicht absehbar sind, beschäftigt uns. Die Angst um den Arbeitsplatz geht um, die Angst, keine Arbeit mehr zu finden, lässt das Lob verstummen. Unbesiegbar scheinende Krankheiten machen uns nach wie vor das Leben schwer und dazu die großen und kleinen Krisen im privaten Bereich. Ja, es gibt so vieles, was das Lob auf den Lippen ersterben lässt.
Wenn ich einmal mein Leben überdenke, dann gibt es wahrlich sehr viel, wofür ich Gott loben kann: Trost und Beistand habe ich erfahren in Stunden, in denen ich von lieben Menschen Abschied nehmen musste; Bewahrung habe ich erfahren, als es – bedingt durch eine Krankheit – bei mir um Leben oder Tod ging. Ich denke an meine Frau und an meine Familie, an Freunde und Bekannte, die es gut mit mir meinen und für mich da sind. Und so gibt es noch viele Gründe, einzustimmen in das Lob Gottes – sicherlich nicht nur für mich. Dieser Gedanke wird auch im Wochenspruch für diesen Sonntag aufgenommen: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So wie der Beter damals mit seinen Worten die Menschen zum Lobpreis Gottes ermunterte, so lädt er mich heute ein, in das Lob Gottes mit einzustimmen, wenn ich mich daran erinnere, was ich durch Gott Gutes erfahren habe.
Und diese Einladung wird uns heute nicht nur durch die Worte der Bibel weitergegeben, sondern ebenso durch die Musik, durch die Lieder unserer Kirche.
„Singet dem Herrn ein neues Lied. Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solches mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen, er muss fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen.“ Mit diesen Worten beschreibt Martin Luther, um noch einmal auf den Reformator zurückzukommen, mit dem ich ja auch begonnen habe, die verkündigende, die missionarische Kraft christlichen Singens und Musizieren. Und damit erinnert er uns nachhaltig daran, dass eine singende und musizierende Kirche immer auch eine Kirche sein wird, die sich der Wunder Gottes und des durch Gott gewirkten Heils erinnert. Dass sie immer eine Kirche sein wird, die durch ihr Musizieren andere für das Heil öffnet. Dass sie immer eine Kirche sein wird, die aus ihrem Musizieren die Kraft gewinnt, sich für das Heil der Welt aktiv einzusetzen.
Einen gesegneten Sonntag, mit viel Freude an der Musik und am Gesang,
wünscht Ihnen Ihr
M. Hofmann, Pfr. in Ulrichstein und Feldkrücken