Online glauben

Gießen. Mit einem interaktiven Glaubenskurs im Internet betritt die Evangelische Kirche digitales Neuland. Computerfreak muss man aber nicht sein, lediglich ein internet-fähiger Computer, eine E-Mailadresse und die Neugier auf Theologie werden vorausgesetzt. Propst Matthias Schmidt möchte vor allem Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher aus Oberhessen zu dem Online-Glaubenskurs in der Passionszeit 2012 gewinnen. „Kirchenvorstände wünschen sich neben den bürokratischen Aufgaben vor allem die Auseinandersetzung mit theologischen Fragen.“ Doch es fehlt ihnen oft die Zeit, um fundierte Fortbildungsveranstaltungen außerhalb der eigenen Gemeinde zu besuchen, so der Propst. Er hat das Angebot gemeinsam mit Edith Höll von der Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie Ralf Müller aus dem Evangelischen Dekanat Alsfeld initiiert.
In dem neuen Online-Kurs werden die Teilnehmer auf unkomplizierte Weise auf Gleichgesinnte aus der ganzen Region Oberhessen treffen sowie Theologen, die Texte als Lernimpulse anbieten und auf Diskussionsbeiträge reagieren. Wann immer man Zeit dafür findet, beschäftigt man sich am heimischen PC mit kurzen Texten, Bildern, Videoclips oder  Diskussionsbeiträgen anderer Teilnehmer. Zwei bis drei Stunden pro Woche sollte man sich mit den Materialien beschäftigen. Die zentralen Fragen lauten: Welches sind die zentralen Botschaften des Christentums? Wo spielen sie im Alltag der Teilnehmer eine Rolle?  Mit den Fragezeichen will Propst Schmidt signalisieren, dass Glaube ein Weg ist, der immer neue Erfahrungen und Fragen eröffnet. „Wie in einem Sprachkurs können unsere Kirchenvorsteher trainieren über den eigenen Glauben und evangelische Theologie nachzudenken und auskunftsfähiger zu werden.“
Die interaktiven Möglichkeiten des Internets werden voll ausgeschöpft, erläutert Gunter Böhmer vom Zentrum Bildung der EKHN, das die technische Unterstützung leistet. „Beim E-Learning gibt es nicht nur den Download, sondern vor allem den Upload“. Will heißen, die Kurs-Teilnehmer laden sich nicht nur Material auf den Computer herunter, sondern stellen den anderen eigene Materialien zur Verfügung. Sie können Fragen stellen und unmittelbar Antworten erhalten. Dafür stehen eine Handvoll Tutoren bereit, die Fragen sichten, bündeln und weiterleiten oder selbst beantworten. Obwohl es sein Job ist, solche neuartigen Lernplattformen zu entwerfen, mag Böhmer das digitale Drumherum des E-Learning, elektronisches Lernen, nicht in den Vordergrund stellen. „Es klingt so nach Schule und hoher technischer Hürde.“ Er will keine unnötigen Hemmschwellen aufbauen. Vor allem geht es um die Freude am ortsunabhängigen Austausch mit anderen.
Anonym und unpersönlich wird es im Online-Kurs nicht zugehen.  Nur schriftlich angemeldete Teilnehmer haben Zugang. Vor Kursbeginn werden sich alle am 19. Februar in Ober-Widdersheim bei Nidda persönlich kennenlernen. Nach vier Wochen trifft man sich wieder und am Ende wird in Gießen am Sonntag nach Ostern, 15. April, ein Abschlussfest gefeiert. Gebühren werden nicht erhoben. Per E-Mail eingeladen wurden zu diesem ersten Online-Kurs bereits rund 3000 Kirchenvorsteher in Oberhessen, sowie sogenannte Prädikanten und Lektoren, die berechtigt sind Gottesdienste zu halten. Bis 1. Februar sollen die Anmeldungen unter Angabe der Postanschrift und der Gemeinde per Mail an  propstei.oberhessen @ ekhn.de eingegangen sein.

Matthias Hartmann